HISTORIA BREMVM - Die Geschichte(n) der Ortsgemeinde Bremm an der Mosel
Die Geschichte des Küfers
    von Franz Josef Blümling
Küferwerkstatt 1698
aus Weigel - Hauptstände 1698
Für das Bier waren die hölzernen gebundenen Gefäße als Aufbewahrungsgefäß im frühen Mittelalter bereits dominierend. Mit der Zeit fanden Holzfässer immer mehr Verwendung, insbesonders dann, wenn Wein transportiert wurde. Die Technik der Holzfässerherstellung verbesserte sich mit der Zeit, und man begegnet in der karolingischen Epoche dem in Eisen gebundenen Fass.

Der Beruf des Fassbauers ist ein seltenes Handwerk geworden, welches sich jedoch in den letzten Jahren einer Renaissance erfreut. Gibt es zurzeit lediglich eine Handvoll reiner Holzküfer in Rheinland-Pfalz, so werden es sicherlich schon bald mehr sein. Diese Prognose kann man so wagen. Einmal trägt der groß in Mode gekommene Barrique-Wein dazu bei, der nur in Holzfässern gelagert seine besondere Qualität und Note erhält, zum Anderen hat man aber auch die Erfahrung gewonnen, dass sich der Wein im Holzfass viel besser entwickelt als z. B. in einem Kunststofffass. Im Holzfass sorgt der Sauerstoff, der durch die Poren des Naturstoffes dringen kann, für eine gute Reifung. „Da kommt eine ganz andere Qualität heraus“ – stellt der Fachmann fest.

In seiner langen Tradition wird der Fassbauer je nach Landschaft auch Fassküfer, Büttner, Schäffler und Kübler genannt. An der Mosel ist er der Küfer - entstanden aus dem Lat. Cuparius (cupa ist das Holzfass).

Ausgangsmaterial für die Herstellung von Fässern sind dicke Stämme, die mit dem speziellen Spiegelschnitt zurechtgesägt werden. Dabei ist wichtig, dass die Jahresringe als annähernd parallele Streifen auftauchen – der besondere Zuschnitt sorgt für Stabilität. Die Hölzer werden – je nach Fassgröße – auf eine Länge von rund einem bis 2,80 Meter und 3,5 bis 8 Zentimeter Dicke zurechtgeschnitten. Dann müssen die Dauben lange gelagert und getrocknet werden. Für die Außenwand des Fasses wird das Holz unter großem Druck mit Stahlbändern zusammengepresst; es hält ganz ohne Klebstoff dicht. Die einzelnen Hölzer haben in der Mitte eine andere Dicke als am Rand. Das sorgt für den typischen Fassbauch.

In seine Form wird das Fass durch Flammen und Wasser gebracht: Im Inneren wird ein Feuer entfacht, die Außenseiten gleichzeitig feucht gehalten. Durch diese Behandlung kann das Holz schließlich mit viel handwerklichem Geschick gebogen werden, ohne dass es bricht. Anschließend fügt der Fassbauer die Böden ein und stabilisiert das entstandene Fass mit Stahlreifen.

  Bis in die fünfziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts war es so, dass der Küfer sowohl das Behältnis Fass gebaut hat und für seine Pflege sowie auch für die Weinpflege zuständig war. Dies hat sich aber, nachdem die Holzfässer nach und nach zuerst durch Beton-, später durch Stahl- und Kunststoff-, heute durch Edelstahlbehälter ersetzt wurden, grundlegend geändert. So sind aus einem zwei Gewerke geworden, nämlich dem Böttcher und dem Weinküfer.

Nach der heutigen Ausbildungsverordnung ist der Weinküfer der Lebensmittelhandwerker, der alle Fertigkeiten besitzt aus ihm anvertrauten Trauben oder auch anderen Früchten Wein herzustellen. Er lernt also nicht mehr Fässer, Bütten oder Stützen und Bottiche herzustellen.

Die Berufe Böttcher und Brauer standen bis zur Industrialisierung eng zusammen und waren sogar in einer Zunft organisiert. Strenge Vorschriften gab es zu beachten. Es galt, die Qualität der Fässer und der späteren Füllung zu gewährleisten. So war es z. B. durch eine Rats-Anordnung von 1410 in Neustadt den Küfern verboten, auf dem Markt Dauben einzukaufen, bevor dieselben einen halben Tag feilgehalten waren, damit sie nicht ihre besondere Sachkunde zum Nachteil des übrigen Publikums ausnutzen konnten. An Orten, wo der Verkauf der Weine einschließlich Fass üblich war, mussten sie vielfach bei Anfertigung der Fässer ganz genaue Anweisungen über Größe, Ausführung usw. einhalten, andernfalls wurden ihnen die Fässer verbrannt; aus gleichen Ursachen war alsdann vorgeschrieben, dass jedes Fass den Namen des Meisters, der es hergestellt hatte, tragen musste. Die badische Landesordnung von Markgraf Christoph, 1495 besagt: „Ferner soll Niemand einigen Wein mit anderleiigem untermischen, sondern jegliche Gattung unvermenget lassen wie er gewachsen. Und damit diese Ordnung desto beständiger sei, sollen alle Küfermeister und Küferknechte den Amtsleuten an Eidesstatt geloben, sorglich darüber zu wachen, dass kein Wein welcher zum Verkaufen oder zum Verzapfen bestimmt ist, mit fremdartigen und schädlichen Dingen vermischt und aufgezogen werde.“ Auch gegen die falsche Benennung des Weines im Fass ging das Gesetz streng vor. Dagegen hatte sich ein Eberlin Snider aus Bulach im Elsass 1353 verstoßen. Er wurde mit Verbannung bestraft unter Androhung der Strafe des Ertränkens bei unerlaubter Rückkehr.

St. Apronianus war der Schutzpatron der Fassküfer. Als Heide trat dieser im frühen Christentum in eine christliche Gemeinschaft ein und wurde getauft.

Als bekennender Christ wurde er verfolgt und enthauptet. Man gedenkt ihm am 2. Februar.

Der Küfer Peter Steffens zieht die Fassdauben mittels Winde und Hammer fest, bis diese fest aneinander liegen.
1950er Jahre, Film "Winzer an der Mosel", Quelle: Kurt Bergen, Neef
Weitere historische Fotos finden Sie im
Alten Fotoalbum von Bremm an der Mosel
Literaturquelle(n)
Andrea Löbbecke   Die letzten Küfer haben gut zu tun, Andrea Löbbecke, Beitrag in der Rhein-Zeitung vom 10.09.08
    Vollständiges Heiligen-Lexikon, Band 1. Augsburg 1858, S. 292
Friedrich von Bassermann-Jordan   Geschichte des Weinbaus
    Besonders über den neueren Stand gab Herr Hans-Peter Möll, Stv. Bundesvorsitzender des Fass- und Weinküferhandwerks, wertvolle Informationen
 
Bildquelle(n)
Rainer Pellenz   Das Alte Fotoalbum von Bremm
     
     
 
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Dieser Beitrag wurde verfasst von Franz Josef Blümling   Korrekturdatum:
Eventuelle Korrekturhinweise bitte an info@naves-historia.de   10.06.2009 RP
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