HISTORIA BREMVM - Die Geschichte(n) der Ortsgemeinde Bremm an der Mosel
Eine Fliegerbombe traf am 27. Dezember 1944 die Kirche
    von Rainer Pellenz
In den meisten Häusern um die Kirche gingen Fensterscheiben zu Bruch als die Bombe detonierte.
Foto: Rainer Pellenz, Bremm
Ich möchte hier ein Kriegserlebnis schildern, das mir meine Mutter vor einiger Zeit erzählte.

Anders als in den Moselorten direkt an der Bahnstrecke Koblenz – Trier wurde Bremm während des zweiten Weltkrieges größtenteils von Bombenangriffen verschont. Die strategisch wichtige Bahnverbindung entlang der Mosel wurde von den Alliierten regelmäßig unter Beschuss genommen. Schon im ersten der beiden Weltkriege war die Moselstrecke zwischen Berlin und Metz eine strategisch wichtige Einrichtung. Der Begriff „Kanonenbahn“ zeugt davon. Und auch die Nazis nutzten diese Linie für ihren Frankreich-Feldzug.

Ein Großteil von Neef, 52 Häuser, war einem alliierten Luftangriff vor Weihnachten 1944 zum Opfer gefallen. Franz Josef Blümling berichtet in seiner Chronik für Neef davon.

Die Eisenbahnbrücke bei Eller wurde erst im Jahre 1945 von deutschen Truppen auf dem Rückzug vor den Amerikanern gesprengt. Vorangegangen waren eine große Anzahl von Versuchen die Eisenbahnbrücke mit mehr oder weniger gut gezielten Bombenabwürfen zu treffen. Diese konnten die Brücke aber nie gänzlich zerstören.

Bremm liegt eigentlich weit genug abseits, doch sollte eine Bombe auch hier für Zerstörung sorgen.

Nach den Erinnerungen meiner Mutter war es kurz vor oder nach Weihnachten. Sie besuchte mit ihrer Mutter Maria die Großmutter, die damals in dem der Bremmer Pfarrkirche am nächsten gelegenen Haus wohnte. Frisch gebackene Streuselkuchen standen auf dem Tisch vor dem Fenster in der kleinen Küche. Das frische Gebäck verbreitete einen angenehmen Geruch im ganzen Haus. In dieser armen Zeit war es für die meisten nicht selbstverständlich, Kuchen zu backen, auch wenn ein Fest ins Haus stand.

Kurz darauf erschütterte eine starke Explosion das Haus gegenüber der heutigen Pfarrbücherei. Die unmittelbar nachfolgende Druckwelle ließ die Fenster in der kleinen Küche bersten. Die Erwachsenen im Raum wurden zu Boden geworfen. Augenblicklich versuchten sie, sich unter dem Küchentisch in Sicherheit zu bringen. Meine Mutter, damals erst dreieinhalb Jahre alt, stand etwas abseits und hatte die Explosion, die Erschütterungen und das Bersten des Fensterglases zwar mitbekommen, war aber noch zu klein um die Vorkommnisse richtig einzuordnen zu können. Da meine Mutter nicht von der Druckwelle erfasst worden war, blieb sie stehen, bis ihr die beiden erwachsenen Frauen bedeuteten, sich ebenfalls zu ihnen unter den Tisch auf den Boden zu legen, da sie davon ausgingen, dass noch weitere Bomben fallen würden.

Dann war es für einige Minuten ganz still. Als nach einiger Zeit keine weiteren Explosionen und auch keine Flugzeugmotoren mehr zu hören waren, wagte man es schließlich, sich umzusehen. In der Küche herrschte ein ziemliches Durcheinander: Töpfe und Pfannen lagen auf dem Boden; ebenso wie einiges Geschirr, eben noch im Schrank war es auf dem Steinfußboden zersplittert. Vorhänge und Gardinen waren von den Stangen gerissen. In der zuvor vom Backen noch gut aufgeheizten Küche war es kalt geworden. Durch die geborstenen Fenster strömte nun die kalte Dezemberluft in den Raum. Im ganzen Raum lagen die Scherben aus Fensterglas herum. Auch die Kuchen hatten unzählige Splitter abbekommen. Unzählige kleine Glassplitter lagen wie Zucker auf den eckigen Blechen.

  Nach und nach trauten sich einige mutige Bremmer auf die Straße. Einige hatten die Explosion auf der Straße mitbekommen, andere wiederum konnten sich noch in die Keller flüchten. Bald war klar, dass die Explosion keine Verletzten oder gar Tote gefordert hatte. Es gab einige Schäden an den der Kirche nahe gelegenen Gebäuden. Dort waren alle Fenster geborsten.

Schnell stellte man fest, dass die Kirche einen Treffer abbekommen haben musste. Auf der dem Dorf abgewandten Seite musste etwas geschehen sein. Und so war es auch: Eine Fliegerbombe war direkt neben dem Kirchenschiff auf dem Friedhof aufgeschlagen und detoniert. Dabei hatte sie einen tiefen Krater in den Friedhofteil gerissen, in dem damals die Kinder beerdigt wurden. So war unter anderem das Grab des schon als Säugling gestorbenen Bruders meiner Mutter nicht mehr auffindbar.

Auch ein Teil der Kirchenwand in Richtung Calmont war betroffen. Sämtliches Fensterglas war aus den Fassungen der Rundbogenfenster herausgerissen worden. Die Orgel hatte es ebenfalls böse erwischt. Es gab zwar keinen Brand, doch die Kirche war vorerst nicht nutzbar. Als Folge musste der damalige Pastor Nikolaus Klein die Gottesdienste notgedrungen jahrelang im großen Keller der Familie Amlinger in der Moselstraße abhalten.

Wie andere Anwohner der Kirche später berichteten, seien nach der Explosion die Gebeine der Verstorbenen durch die Luft geschleudert worden und dann auf den Dächern der umliegenden Häuser gelandet. Ein schauriges Erlebnis für alle, die es mitgemacht haben.

Einige Zeit später wurde vermutet, dass der Bombenabwurf auf Bremm nur geschehen ist, weil der Pilot des Bombers seine Bombenlast abwerfen musste, wäre er doch sonst mit seiner Maschine wohl am Berg zerschellt .

Wäre die Bombe nur wenige Meter weiter in Richtung Dorf detoniert, hätte man wohl sehr viele Bremmer, auch meine Mutter, zu den Opfern zu zählen müssen und diese Geschichte hätte viellcicht ein anderer aufgeschrieben. Die Pfarrkirche hat in diesem Fall also größeres Unheil von Bremm abgewendet.

In Bremm ist während des zweiten Weltkrieges niemand durch Bombeneinschlag zu Schaden oder zu Tode gekommen obwohl hie und da ein Sprengkörper auf Bremmer Gemarkung niederging.. Wenn aber die Flugzeuge der Alliierten wieder einmal die Bahnstrecke Trier – Koblenz im Visier hatten und sich Sekunden bevor sie über den Moselhöhen auftauchten durch ihre Motorengeräusche verrieten, dann brachten sich die Einwohner der Moselorte und somit auch in Bremm, zumeist in ihren Weinkellern in Sicherheit. Andere wiederum hatten sich eigene Bunker in den bewaldeten Hängen oberhalb des Dorfes gegraben. Dort harrten die Menschen dann teilweise tagelang aus. Einige dieser Bunker waren sogar mit Herd und anderen Gerätschaften ausgestattet. In Bremm lagen sehr viele dieser Bunker entlang des Kandelbaches.

Aber das ist wieder eine andere Geschichte, die so hoffe ich, auch jemand in die Chronik der Ortsgemeinde Bremm einbringen wird.

Literaturquelle(n)
Franz Josef Blümling   Naves Historia - Neef an der Mosel - ein kleiner Ort mit einer großen Geschichte
     
 
Bildquelle(n)
Rainer Pellenz   ehemaliges Wohnhaus der Urgroßmutter
     
 
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Dieser Beitrag wurde verfasst von Rainer Pellenz, Bremm   Korrekturdatum:
Eventuelle Korrekturhinweise bitte an rp@moselweb.de   04.07.2009 RP
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